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Aktuellster Beitrag aus der Textabteilung: Irrenalltag!

 

 

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Das Wartezimmer

 

 

Ich glaube, das Thema Wartezimmer wird eines meiner neuen Steckenpferde. Es lohnt sich wirklich, eine bestimmte Szenerie ganz genau zu beobachten, insbesondere wenn über einen gewissen Zeitraum wildfremde Menschen in einem Raum zusammen warten müssen. Dabei hilft bei mir ungemein auch noch die Tatsache, dass ich zu der smartphone-losen Spezies gehöre und mich generell lie-ber auf meine Umwelt konzentriere. ^^

 

Aber von Anfang an:

 

Ich hatte einen Arzttermin und bin 20 Minuten zu früh in der Praxis angekommen. Es war mir also klar, dass ich so oder so warten musste.

 

Da es wohl ein kleines EDV-Problem am Empfangstresen gab, musste ich gleich schon zu Beginn einen kleinen Moment warten. Dabei fiel mir eine der Sprechstundenhilfen auf, die besonders quirlig und aufgedreht war. Sie war am lautesten, redete ständig und wuselte in einer Tour herum. Während sie mit ihren Kolleginnen sprach, stopfte sie sich andauernd irgendwelche Süßigkeiten in den Mund und schmatzte laut beim Sprechen. Ich hab sie nur in Bewegung gesehen, und als ich mich schließlich zum Termin anmelden konnte, riss sie im Hintergrund laut irgendwelches Papier aus dem Drucker und redete mit sich selbst. Die Kollegin mit der ich gerade sprach, ließ sich von dem Geräuschpegel nicht beirren und gab meine Daten ein.

 

Das mittelgroße Wartezimmer war fast voll. Ich bemerkte gleich als Erstes das merkwürdige Verhalten einer Frau mit dicker Brille, die schräg gegenüber von mir breitbeinig auf einem Stuhl saß und sich demonstrativ zu mir drehte, als ich mich auf meinen Stuhl setzte. Sie verharrte so, während sie Ihren linken Arm auf Ihrem Bein abstützte, und starrte mich regelrecht an. Nicht nur, dass die Situation so schon komisch war, nun schoss mir auch noch der Begriff „Glotzfrosch“ durch den Kopf, und ich musste mich wirklich beherrschen, nicht laut loszulachen.

 

Um nicht womöglich noch einen Lachanfall zu bekommen, ignorierte ich diese Frau einfach und betrachtete kurz die anderen Wartenden, von denen ca. 2/3 mit ihrem Smartphone beschäftigt waren. Eine Frau auf der linken Seite des Wartezimmers las ein mitgebrachtes Buch und machte sich ständig Notizen. Ich fand es erstaunlich, wie konzentriert sie dabei war, da ich für so etwas absolute Ruhe bräuchte. Zwei Plätze weiter rechts neben mir beschäftigte sich eine Frau mit Wollmütze und noch angezogener Jacke mit einer Zeitschrift über Möbel und Inneneinrichtungen.

 

Es war für einen kurzen Moment richtig ruhig in dem Raum, und ich machte die Augen zu, um ein wenig zu dösen. Aber es dauerte nicht lange, da machten meinem rechten Sitznachbarn laute Bauchgeräusche zu schaffen. Ich hatte mich schon fast an diese Geräusche gewöhnt und war schon wieder fast am Wegdösen, da riss eine der Wartenden ihre Handtasche mit Klettverschluss laut auf, um ein Taschentuch herauszuholen. Ich hatte mich durch das laute Geräusch etwas erschrocken und schaute kurz um mich herum, aber es hatte sich ansonsten nichts weiter verändert, außer dass der Glotzfrosch sich wieder weggedreht hatte.

 

Ein neuer Patient kam mit offenem Hosenreißverschluss ins Wartezimmer, setzte sich auf den Stuhl links neben mir und holte sein Smartphone heraus. Ich hatte noch kurz überlegt, ihn darauf hinzuweisen, hatte mich dann aber doch entschieden, nicht noch unnötig die Aufmerksamkeit auf ihn zu lenken, da die anderen das ja vielleicht gar nicht so mitbekommen hatten.

 

Die Tür ging auf, und ein Mann wurde zum Arzt gerufen. Der Wartende rechts neben mir kämpfte immer noch mit seinen Bauchgeräuschen. Die Frau mit der Klettverschluss-Handtasche riss diese erneut laut auf, um ihr Smartphone zu verstauen. Ich überlegte gerade, wie man so eine Handtasche überhaupt kaufen kann, da stand die Frau mit Wollmütze, Jacke und der Möbelzeitschrift auf und verabschiedete sich. Ich fragte mich, ob diese Frau da die ganze Zeit nur gesessen hatte wegen der Zeitschrift oder um sich aufzuwärmen.

 

Nun stand der Glotzfrosch auf und ging raus. Man hörte irgendwelche Diskussionen über Wartezeiten draußen am Tresen. Kurz danach kam der Glotzfrosch schnaufend zurück und setzte sich wieder. Demonstrativ atmetet sie noch ein paarmal schwer durch, damit auch wirklich jeder im Wartezimmer mitbekam, dass ihr das Ganze nicht passte.

 

Man hörte plötzlich ein Foto-Klicken, und fast jeder im Wartezimmer schaute kurz auf, woher das Geräusch kam. Eine junge Frau machte Fotos von Bildern aus einer Zeitschrift. Dann vernahm man wieder die laute Klettverschluss-Handtasche, da das Smartphone erneut herausgeholt wurde. Ein Patient kam vom Arzt zurück, um seine Jacke zu holen und schmiss dabei einen Bügel mit Jacke runter. Während der Mann an der Garderobe herumwurschtelte, ging die Tür auf, und ein Vater mit seinem kleinen, ca. 9 Jahre alten Sohn kam herein. Beide setzten sich auf die rechte Seite des Wartezimmers. Der Vater holte sein Smartphone heraus, um sich damit zu beschäftigen, und der Sohn saß einfach nur kerzengerade auf seinem Stuhl. Als ich kurz rüber blickte, bemerkte ich, dass der Kleine mich direkt ansah und auch nicht wegschaute. Langsam fing ich an, zu grübeln, ob an dem Tag irgendwas mit meinem Gesicht nicht in Ordnung war.

 

Ein junges, hübsches und sehr modisch gestyltes Mädchen mit schwarzem Minirock und dicken, langen und schwarzen Baumwoll-Leggings darunter öffnete die Tür und ging zur Garderobe, um ihre Jacke dort aufzuhängen. Der Vater und der kleine Junge stierten beide regelrecht auf ihren Hintern, als sie mit dem Rücken zu ihnen stand, dass es schon widerlich war. Als sie sich umdrehte, um rauszugehen, hatte der Vater schnell wieder auf sein Smartphone und der Sohn auf den Boden geschaut, um ihr gleich wieder nachzustarren, als sie an ihnen vorbei war. Mir war ein solches Verhalten fremd und peinlich und fand es gerade im Hinblick auf den kleinen Jungen erziehungstechnisch äußerst bedenklich.

 

Der Glotzfrosch wurde nun endlich zum Arzt gerufen, und die Frau stampfte murmelnd und schnaufend aus dem Wartezimmers und zeigte ihren Unmut auch noch einmal, indem sie die Wartezimmertür richtig kräftig hinter sich zuzog. Die Tür wurde dann aber gleich wieder geöffnet und zwei weitere Patientinnen kamen herein. Eine von ihnen hatte Ganzkörper-Regenschutzkleidung an, die sie an der Garderobe auszog. Dabei bückte sie sich und wieder starrten Vater und Sohn die ganze Zeit unverhohlen der Frau auf den Hintern. Auch als ihr ebenfalls ein Bügel an der Garderobe herunterfiel und sie sich wieder bücken musste. Als sie fertig war und sich umdrehte, schauten beide wieder schnell auf das Smartphone bzw. den Boden. Ich war einfach nur fassungslos und wütend über diesen asozialen Typen mit seinem Sohn.

 

Dann war für einen Moment wieder Ruhe. Die andere Patientin hatte sich hinten in der Ecke neben einem großen Benjamin gesetzt und las ebenfalls in einem Buch. Ein Blatt von der Pflanze löste sich von ganz oben und landete direkt auf ihrem Buch. Sie schaute das Blatt an, dann nach oben und anschließend in den Raum, ob jemand das mitbekommen hatte. Sie lächelte mir zu und sagte scherzhaft, dass sie sich vielleicht lieber umsetzen sollte, da es ansonsten eventuell noch gefährlich für sie werden könnte.

 

Dann sollte ich zum Arzt rein.

 

Alles in allem fand ich die Zeit im Wartezimmer sehr spannend, und ich habe einiges an Eindrücken mitgenommen. Lustig war dann auch noch, als ich nach dem Arzttermin mein Rezept gleich einlösen wollte, dort in der Apotheke bei mir das Bankkarten-Lesegerät den Geist aufgab und einen Systemfehler anzeigte. Der überaus gut gelaunte und sehr freundliche Apotheker fand es auch interessant, da das so gut wie noch nie vorgekommen sei. Er musste das ganze System neu starten und hatte mir für die Wartezeit noch ein kleines Pflegeprodukt zum Ausprobieren geschenkt. :)

22.01.18 ©Zarahzeta2018

 

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